Prüfung elektrischer Geräte durch EuP

Elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) können unter bestimmten Voraussetzungen für die Prüfung elektrischer Arbeitsmittel eingesetzt werden. Dieser Beitrag erläutert die hierzu notwendigen Parameter.

Ausgangslage: Die gesetzlichen und staatlichen Vorgaben

Jeder Arbeitgeber darf nur sichere Arbeitsmittel zur Verfügung stellen (§ 4 Abs. 1 BetrSichV). Vor ihrer ersten Verwendung muss der Arbeitgeber auftretende Gefährdungen beurteilen lassen (Gefährdungsbeurteilung) und daraus resultierend notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen ableiten, Maßnahmen umsetzen und deren Wirksamkeit kontrollieren (vgl. § 3 Abs. 1 BetrSichV). Das Vorhandensein einer CE-Kennzeichnung am Arbeitsmittel entbindet ihn dabei nicht von der Pflicht zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung. Neben Ermittlung von Prüfart, Prüfumfang und Prüffrist, hat der Arbeitgeber auch die zu erfüllende Qualifikation der zur Prüfung befähigten Person zu ermitteln.

Ablauf einer tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung
So sollte eine tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung ablaufen

Konkret: Arbeitsmittel, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängen oder die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können, müssen von einer besonders qualifizierten Person geprüft werden (§ 14 Abs. 1 und 2 BetrSichV).

Prüfung durch zur Prüfung befähigte Personen

Diese „zur Prüfung befähigte Person“ muss über die „erforderlichen Kenntnisse“ zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügen (§ 2 Abs. 6 BetrSichV). Die dafür notwendige Qualifikation (siehe dazu den Beitrag Befähigte Person), die der Arbeitgeber „sicherstellen“ muss (vgl. Technische Regel für Betriebssicherheit „Zur Prüfung befähigte Personen TRBS 1203) besteht aus einer elektrotechnische Berufsausbildung, mindestens einjährigen Berufserfahrung, Kenntnisse der zum Tragen kommenden Regelwerke und einer zeitnahen beruflichen Tätigkeit (vgl. TRBS 1203 Abschnitt 3.1).

EuP fehlt die Befähigung, um eigenverantwortlich zu prüfen

Zwar variieren die Anforderungen an die Befähigung hinsichtlich der Prüfaufgabe (TRBS 1203 Abschnitt 1203, Abschnitt 3.1 bis 4.3), aber die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung machen deutlich, dass kein elektrotechnischer Laie, kein Auszubildender und keine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ausreichend befähigt ist, allein Prüfungen an elektrischen Arbeitsmitteln durchzuführen.

Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung mit unter anderem der erforderlichen Befähigung
Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung

Forderungen der Berufsgenossenschaften

Neben den staatlichen Vorgaben, gibt es seitens der Berufsgenossenschaft in der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ die Forderung, Arbeitsmittel einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen.

§ 5 Prüfungen

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden

1. vor der ersten Inbetriebnahme und nach einer Änderung oder Instandsetzung vor der Wiederinbetriebnahme durch eine Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft und

2. in bestimmten Zeitabständen.

Quelle: DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“

§ 5 Absatz 1 Satz 1 der DGUV Vorschrift 3 macht deutlich, die EuP darf nicht eigenverantwortlich eine Prüfung durchführen, sondern sie darf nur unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft tätig werden.

Der Grund dafür findet Beschränkung in der Unterweisung einer EuP auf bestimmte elektrotechnische Tätigkeiten. Eine elektrotechnisch unterwiesene Person wird nach DIN VDE 1000-10: 2009-0 folgendermaßen definiert:

Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person nach DIN VDE 1000-10: 2009-01 ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßen Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt, sowie hinsichtlich der notwendigen Schutzeinrichtungen, persönlichen Schutzausrüstung und Schutzmaßnahmen unterwiesen wurde.

Elektrofachkraft

Als Elektrofachkraft nach DIN VDE 1000-10: 2009-01 hingegen gilt, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der aktuellen Normen und Bestimmungen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann (mehr zur Qualifikation der Elektrofachkraft siehe Beitrag FAQ zur Elektrofachkraft).

Unter Leitung und Aufsicht

Unter „Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft“ bedeutet nach VDE 1000-10: 2009-01 nicht, dass diese ständig zugegen sein muss; sie muss sich vielmehr in angemessenen Zeitabschnitten davon überzeugen, ob die erteilten Anweisungen beachtet werden und sicherheitsgerecht gearbeitet wird. Die Elektrofachkraft / befähigte Person ist insoweit für die übertragenen Tätigkeiten verantwortlich.         

Zwischenfazit

Sowohl die staatlichen Vorgaben wie auch die berufsgenossenschaftlichen Regelungen erlauben es nicht, dass eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) eigenverantwortlich ein elektrisches Arbeitsmittel prüft.

Kann eine EuP dennoch Prüfungen übernehmen?

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person kann unter gewissen Parametern und organisatorischen Rahmenbedingungen Prüfungen übernehmen. Lösung ist dabei die Bildung eines Prüfteams!

Beschrieben im Informationsblatt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem Dachverband der Berufsgenossenschaft. In der DGUV Information 203-071 heißt es unter Punkt 4-Anforderungen an das Prüfpersonal:

(…) (3) Dennoch ist es möglich, dass in einem Prüfteam die EuP im Rahmen der Wiederholungsprüfungen elektrotechnische Tätigkeiten übernimmt und damit die befähigte Person unterstützt. (…)

Die zur Prüfung befähigte Person bleibt allerdings für die Prüfung verantwortlich, insbesondere für das Bewerten der Ergebnisse sowie für die Dokumentation.

Nur wie ist dies in der Praxis umzusetzen? Um praxisnah Prüfungen normkonform durchführen zu können und gleichzeitig dabei rechtssicher aufgestellt zu sein.

Umsetzung der Forderungen

Dank dem Stand der Technik ist es heute möglich, die oben genannten Forderungen mittels verschiedener adäquater Mittel praxisnah und rechtssicher umzusetzen. Eine Software ist eines dieser adäquaten Mittel

Mit einer Software oder App lassen sich Prüfungen rechtssicher und normkonform dokumentieren und über eine AddIn-Technologie Messgeräte mit Hilfe hinterlegter Prüfabläufe auch direkt ansteuern.

Dies bedeutet,

Umsetzung mit einer Software

  1. Grenzwerte hinterlegen

    die zur Prüfung befähigte Person hinterlegt in einer Software/App zu einem Arbeitsmittel/Gerät einen Prüfablauf mit speziell auf den Prüfling angepassten Grenzwerten

  2. Prüfung durch EuP ohne Bewertung der Messwerte

    Die ausführende EuP durchläuft nun den für das Arbeitsmittel/Gerät vorgegebenen Ablauf, wobei sie wegen der engen Grenzwerte keinerlei eigene Bewertung mehr vornehmen muss.

  3. Dokumentation der Messwerte

    Messwerte werden direkt vom Messgerät zurück an die Software/App geschickt und nach Beendigung der Prüfung wird automatisch ein Prüfbericht erstellt.

Der erzeugte Prüfbericht entspricht den Mindestanforderungen für Prüfberichte aus BetrSichV, VDE und DGUV. Zusätzlich mit Angabe des Prüfteams, der angepassten Grenzwerte und der Unterschrift der zur Prüfung befähigten Person.

Loggt sich die zur Prüfung befähigte Person mit Benutzername und Kennwort in die Software/App ein, ist der erzeugte Prüfbericht auch ohne dessen Unterschrift gültig. Die zur Prüfung befähigte Person übernimmt so die Verantwortung für die Prüfung, das Bewerten der Ergebnisse und die Dokumentation einer Prüfung. Mit diesem adäquaten Mittel kann auch eine EuP ins Prüfgeschäft mit eingebunden werden.

Beispiel 1: Enge Vorgaben durch eine “zur Prüfung befähigte Person“ mittels Software

Die Vorgaben für die EuP zu machen und dies in der Software richtig zu hinterlegen ist allein Sache der zur Prüfung befähigten Person des gebildeten Prüfteams.

Sie legt die Daten der Arbeitsmittel/Geräte zur weiteren Dokumentation an und gibt vor welche Einzelprüfungen an einem Arbeitsmittel/Gerät durchgeführt werden. Durch die enge Festlegung der Grenzwerte, die sich u. a. an den physikalischen Eigenschaften des Materials und an den Erfahrungswerten orientieren, welche die zur Prüfung befähigten Person aufgrund ihrer Fachkenntnis gewonnen hat, wurde die Bewertung der Messergebnisse der EuP im Vorfeld schon abgenommen. Die EuP führt nun mittels Software die ihr vorgefertigten Prüfsequenzen aus und steuert mittels AddIn Technologie ein Messgerät fern, welches Messergebnisse zum Abgleich mit den engen Vorgaben in der Software liefert. Die erstellte Dokumentation kann nun in regelmäßigen Abständen durch die zur Prüfung befähigte Person gesichtet und freigegeben werden.

Beispiel 2: Enge Vorgaben durch eine “zur Prüfung befähigte Person“ mittels Messgerät Applikation (App)

Hierbei können die durch die zur Prüfung befähigte Person erstellten Prüfabläufe in einer App der elektrotechnisch unterwiesenen Person zur Verfügung gestellt werden. Die EuP kann nun nach engen Vorgaben die Wiederholungsprüfung an ortsveränderlichen elektrischen Geräten nach VDE 0701-0702 z. B. über eine Bluetooth Remotefunktion und einem entsprechenden Messgerät durchführen. Die Steuerung der Prüfschritte und Dokumentation der Messergebnisse erfolgen dabei mittels mobilen Endgeräts (z. B.: Tablet) und entsprechender App.

Mögliche Prüfgeräte für Prüfteams

Die nun in der App erzeugten Prüfprotokolle können via Sendebutton an die zur Prüfung befähigte Person gesendet und in der Datenbank/Cloud gespeichert werden (siehe Abbildung 10). Die zur Prüfung befähigte Person kann nun Ihrer Kontrollpflicht nachkommen und sich die Prüfprotokolle zu eigen machen. Die Verantwortung über die Dokumentation und die Prüfung übernimmt hierbei die zur Prüfung befähigte Person. Neueste Technologien lassen zudem eine bidirektionale Video-Kommunikation zwischen der zur Prüfung befähigten Person im Office und der elektrotechnisch unterwiesenen Person vor Ort zu. So lassen sich Aufgabenstellungen und Rückfragen der EuP einfach und direkt schon während der Prüftätigkeit klären.

Zur rechtssicheren und praxisnahen Umsetzung dieser Arbeiten unter „Leitung und Aufsicht“ einer zur Prüfung befähigten Person, bedarf es also gerade in der heutigen digitalen Zeit adäquater Mittel. Neben der rechtssicheren Organisation in der Elektrotechnik, dokumentierter Prozesse, Gefährdungsbeurteilungen, Arbeitsanweisungen, Mitarbeiterqualifikationen etc., eben auch einer Software oder einer App die mit eigens erstellten Prüfabläufen das Messgerät ansteuert, die Messwerte via Bluetooth übermittelt und Prüfprotokolle anschließend der zur Prüfung befähigten Person zur Kontrolle vorlegt.

Der optimale Prozess zur rechtssicheren Umsetzung eines Prüfteams besteht aus fünf Schritten: Beratung, Erstellung eines EuP-Handbuchs mit Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsanweisungen etc., Programmierung der Prüfsequenzen, Schulungen zur EuP, Prüfungen durch die EuP und Kontrolle durch die zur Prüfung befähigte Person
Prozess zur rechtssicheren Umsetzung eines Prüfteams mit MEBEDO

Fazit

Die Vorgaben der BetrSichV und der TRBSen haben Ihre Richtigkeit. Um eine Prüfung, gerade im Elektrobereich, ordentlich durchführen zu können und somit Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten, bedarf es Fachwissen und Eigenverantwortung. Eine elektrotechnisch unterwiesene Person oder ein Auszubildender können diese Voraussetzungen nicht mitbringen. Lediglich mit engen Vorgaben des Prüfablaufes und der Grenzwerte für ein Arbeitsmittel, kann eine EuP oder ein Auszubildender im Prüfgeschäft mit eingebunden werden. Hier wird ein sogenanntes Prüfteam gebildet. Verantwortlich für den Prüfablauf, die Bewertung der Prüfergebnisse und deren Dokumentation bleibt immer die zur Prüfung befähigte Person, die dem Team vorsteht.

Autoren:

Richard Lauer, BDSH e. V. geprüfter Sachverständiger und als Handlungsbevollmächtigter der MEBEDO Akademie GmbH

Martin Griesbeck, BDSH e. V. geprüfter Sachverständiger und Fachdozent für die MEBEDO Akademie und Experte im Bereich ELEKTROMANAGER sowie für das Dokumentieren und Prüfen elektrischer Arbeitsmittel.

Neue TRBS 1203

Die Technische Regel zur Betriebssicherheit (TRBS) 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ wurde überarbeitet. In der neuen Fassung wird detaillierter erklärt, welche Voraussetzungen eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen muss. An den wesentlichen Vorgaben der TRBS 1203 wurde nichts geändert.

Die TRBS 1203 konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in einer Hinsicht: Sie erklärt die Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Personen nach § 2 Abs. 6 BetrSichV. Demnach muss eine zur Prüfung befähigte Person über

  • eine Berufsausbildung
  • Berufserfahrung und
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit

verfügen, um Arbeitsmittel, die zum Beispiel zu Gefährdungen für Beschäftigte führen können, sachgerecht zu prüfen.

Die TRBS 1203 führt ein einem allgemeinen Teil (Abschnitt 2) aus, was unter Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnaher berufliche Tätigkeit zu verstehen ist. Diese Anforderungen müssen alle zur Prüfung befähigten Personen erfüllen (mehr zu den Anforderungen an eine befähigte Person siehe Beitrag „Befähigte Person„).

Abschnitt 3 enthält Anforderungen für die Prüfung an bestimmten Arbeitsmitteln, 3.1 für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten.

Mehr Erläuterungen

Im Gegensatz zur Fassung der TRBS 1203 aus dem Jahr 2012, ist in der vom März 2019 eine Textpassage eingefügt, die „Allgemeines“ zur den Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Person erläutert. Zum Beispiel:

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die zur Prüfung befähigte Person ausreichend befähigt ist, sodass sie hinsichtlich der übertragenen Prüfaufgaben
– Abweichungen des Istzustandes vom Sollzustand (siehe TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung“) erkennen, bewerten und das Ergebnis dokumentieren kann,
– die bei der vorgesehenen Verwendung des Arbeitsmittels auftretenden Gefährdungen beurteilen kann,
– Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen kennt, die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt wurden,
– beurteilen kann, ob die vorgesehenen Prüfverfahren für die Prüfaufgabe geeignet sind, sowie
– die Prüfverfahren anwenden kann.

Hierzu gehört auch die Kenntnis aller Schutzmaßnahmen, die zur sicheren Durchführung der Prüfung erforderlich sind

Technische Regel zur Betriebssicherheit „Zur Prüfung befähigte Person“, Abschnitt 2.1 Allgemeines

Geändert hat sich die Reihenfolge im Abschnitt 3 der Technischen Regel. Die Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten stehen nun im Abschnitt 3.1 und nicht mehr 3.3. Mehr zu den Anforderungen siehe –LINK)

Fazit: Mehr Erläuterungen

Der Ausschuss für Betriebssicherheit, der die Technischen Regeln erarbeitet, bemüht sich, die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung zu erläutern. Der Arbeitergeber bekommt mit der neuen TRBS 1203 eine Anleitung, nach welchen Kriterien eine zur Prüfung befähigte Person auszuwählen ist.

Oft entscheidet der Preis

In der BetrSichV wie auch in der TRBS steht nichts von dem Auswahlkriterium Preis. Leider meinen immer noch viele Arbeitgeber und ihre Einkäufer der niedrigste Preis wäre das Hauptkriterium bei der Auswahlverantwortung und nicht die zwingend erforderliche Befähigung der prüfenden Person.

Ist eine Elektrofachkraft automatisch eine zur Prüfung befähigte Person?

Das Anforderungsprofil und die Aufgaben von Elektrofach­kräften und zur Prüfung befähigten Personen sind ähnlich. Das führt immer wieder zu der Vermutung, eine Elektrofachkraft sei zugleich auch immer eine zur Prüfung befähigte Person. Dem ist aber nicht so.

Die Unterschiede betreffen vor allem die Funktion innerhalb der Betriebsorganisation. Wie ihr Name schon nahelegt, ist die zur Prüfung befähigte Person für die Prüfung von Arbeitsmitteln zuständig. Eine Elektrofachkraft hat ein weiteres Aufgabenspektrum.

Unterschiedliche Regelwerke

Während die Elektrofachkraft in einer Unfallverhütungsvorschrift von Sozialversicherungsträgern definiert und von privaten Verei­nen (DIN, VDE) in die Normung aufgenommen wurde, stammt der Begriff der zur Prüfung befähigten Person aus den Regelwerken des Staates (Betriebssicherheitsverordnung und Technische Regeln zur Betriebssicherheit).

Definition der zur Prüfung befähigten „Person“

Die Definition der zur Prüfung befähigte Person in der Betriebssicherheitsverordnung (§ 2 Abs. 6) bezieht sich auf die Prüfung von Arbeitsmitteln:

Zur Prüfung befähigte Person ist eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt …

§ 2 Abs. 6 BetrSichV

Arbeitsmittel gemäß Betriebssicherheitsverordnung sind

Werkzeuge, Geräte, Maschinen oder Anlagen, die für die Arbeit verwendet werden, sowie überwachungsbedürftige Anlagen.

§ 2 Abs. 1 BetrSichV

Rolle des Arbeitgebers

Bei der Beauftragung einer zur Prüfung befähigten Person verpflichten die staatlichen Regelwerke den Arbeitgeber die Prüfaufgaben zu definieren und die notwendige Qualifikation sicherzustellen (zu der Qualifikation einer zur Prüfung befähigten Person siehe Beitrag „Befähigte Person„) . Die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 1203 betonen ausdrücklich die Auswahlverantwortung des Arbeitgebers (zur Verantwortung des Arbeitgebers bei der Auswahl der zur Prüfung befähigten Person siehe „Befähigte Person„) .

Definition der Elektrofachkraft

Eine Elektrofachkraft kann in einem Fachbereich der Elektrotechnik übertragene Aufgaben beurteilen und mögliche Gefahren erkennen. Mit anderen Worten, ein wesentliches Merkmal einer Elektrofachkraft ist, dass sie elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich und selbstständig durchführen kann. Voraussetzung ist eine bestimmte Qualifikation. Sie be­steht neben einer fachlichen Ausbildung aus Berufserfahrungen und Kenntnissen in einem Fachbereich der Elektrotech­nik und Kenntnisse der für den Fachbereich relevanten elektrotechnischen Regelwerke. Auch für richtige Auswahl der Elektrofachkraft trägt der Arbeitgeber die Verantwortung.

Synopse: Elektrofachkraft und zur Prüfung befähigte Person


Elektrofachkraft gemäß DGUV Vorschrift 3 / DIN VDE 0105-100

Zur Prüfung befähigte Person gemäß TRBS 1203 Abschnitt 3.3
Begriff ist nur in der Elektrotechnik anzutreffenBegriff ist im gesamten Arbeitsschutz anzutreffen
Der Begriff deckt innerhalb der Elektrotechnik ein weites Spektrum ab; bezogen auf den einzelnen Mitarbeiter bezieht er sich auf dessen konkretes und eingeschränktes Aufgabengebiet.Der Begriff deckt innerhalb der Elektrotechnik ein spezielles, eng gefasstes Spektrum ab: Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen.
Qualifikation kann erlöschen (siehe DIN VDE 0100-10:2009-01 Anhang A Erläuterung zu 5.2)Qualifikation kann erlöschen (siehe Forderung nach der zeitnahen Tätigkeit).

Hohe Anforderungen an die Kenntnis von Vorschriften und Bestimmungen (siehe DIN VDE 0100-10:2009 Anhang Erläuterung zu 3.2)Hohe Anforderungen an die Kenntnis von Vorschriften und Bestimmungen (siehe TRBS 1203 Abschnitt 2 und 3.1)
Schriftliche Beauftragung sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben (siehe DIN VDE 0100-10:2009 Anhang Erläuterung zu 3.2 )Schriftliche Beauftragung sinnvoll

Quelle: Stefan Euler und Ralf Ensmann

Fazit

Die Begriffe Elektrofachkraft und zur Prüfung befähigte Person beschreiben verschiedene Funktionen innerhalb einer elektrotechnischen Betriebsorganisation. Ein Mitarbeiter kann auch beide Funktionen ausfüllen. So kann ein Arbeitgeber eine Elektrofachkraft auch mit der Prüfung von Arbeitsmittel beauftragen – allerdings nur, wenn diese auch die Voraussetzungen einer Beauftragung zu einer zur Prüfung befähigten Person erfüllt (zu den Voraussetzungen siehe Beitrag „Befähigte Person„). Die Beauftragung sollte schriftlich erfolgen.

Befähigte Person

Eine befähigte Person verfügt über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten für die Prüfung von Arbeitsmitteln. Diese Qualifikation erlangt sie durch eine elektrotechnische Berufsausbildung, Berufserfahrung, eine zeitnahe berufliche Tätigkeit in dem Bereich, in dem sie Arbeitsmittel prüft und Weiterbildungen auf das jeweilige Spezialgebiet ( z. B. angewandte VDE Normen).

Vorgaben zur Funktion und Qualifikation einer zur Prüfung befähigten Person sind Teil des staatlichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung und die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203) Sie definieren die Rolle der befähigten Person innerhalb der Betriebsorganisation wie auch die Fähigkeiten und Kenntnisse, über die eine zur Prüfung befähigte Person verfügen muss.

Betriebssicherheitsverordnung und die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 übertragen zugleich dem jeweiligen Arbeitgeber

  • die Auswahlverantwortung: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass eine entsprechend den Vorgaben der BetrSichV und der TRBS 1203 qualifizierte Person die Prüfungen durchführt,
  • die Kontrolle der Befähigung: Der Arbeitgeber muss „sicherstellen“, dass die zur Prüfung befähigte Person entsprechend den Kriterien der TRBS 1203 auswählt und qualifiziert ist (TRBS 1203 Abschnitt 2.1),
  • die Garantie der fachliche Unabhängigkeit: Der Arbeitgeber darf die befähigte Person nicht wegen ihrer Prüftätigkeit benachteiligen; sie ist zudem in fachlichen Fragen weisungsfrei (§ 14 Abs. 6 BetrSichV),
  • die Form: Der Arbeitgeber muss eine befähigte Person schriftlich beauftragen. Wenn ihre Ernennung dokumentiert wird, sollten sinnvollerweise auch die Kriterien der Beauftragung festgehalten werden, konkret ein Nachweis, dass die Qualifikation überprüft wurde (siehe Tipp Musterformular).

Tipp: Musterformular

Der Arbeitgeber bzw. der Mitarbeiter, dem die Pflicht der richtigen Auswahl der befähigten Person nach Betriebssicherheitsverordnung übertragen wurde, muss sich vergewissern, dass die zur Prüfung befähigten Person in dem Bereich, in dem sie eingesetzt wird, die Qualifikationsanforderungen der Betriebssicherheitsverordnung und der TRBS 1203 erfüllt. MEBEDO bietet ein Musterformular, das dabei helfen kann, die Eignung des Mitarbeiters zu erkennen und das Auswahlverfahren zu dokumentieren. Kontakt: consulting@mebedo.de


Die vorgeschriebene Qualifikation einer befähigten Person variiert je nachdem welche Arbeitsmittel sie prüft. Dieser Beitrag beschäftigt sich im Folgenden mit den Voraussetzungen für die Prüfung von elektrischen Arbeitsmitteln.

Anforderung der Betriebssicherheitsverordnung

In der Betriebssicherheitsverordnung wird der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für alle Arbeitsmittel und alle überwachungsbedürftigen Anlagen (im Sinne der §§ 14, 15, 16 BetrSichV) in seinem Betrieb auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung Prüfart-, Umfang und -Frist zu ermitteln und welcher Voraussetzung es bedarf, die eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen muss, um Arbeitsmittel zu prüfen (§ 3 Abs. 6 BetrSichV).

Den Kreis der Arbeitsmittel, die nach § 14 BetrSichV vor ihrer erstmaligen Verwendung von einer befähigten Person zu prüfen sind, ist weit gefasst. Es sind:

  • Arbeitsmittel, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängen,
  • Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind,
  • Arbeitsmittel, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können.

Überwachungsbedürftige Anlagen nach § 15 BetrSichV sind u. a. Dampfkesselanlagen, Druckbehälteranlagen, Füllanlagen, Aufzugsanlagen und Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen.

Erforderliche Kenntnisse

Eine befähigte Person muss über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügen. Diese erlangt sie nach § 2 Abs. 3 Nr. 6 BetrSichV durch

  • eine Berufsausbildung
  • Berufserfahrung und
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit (inklusive aktueller Regelwerkskenntnisse)
zum Prüfen befähigte Person prüft
Prüfung einer Kaffeemaschine

Konkretisierung in der TRBS 1203

Die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ konkretisiert die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung.

Eine befähigte Person muss folgendes können

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass eine zur Prüfung befähigte Person folgendes kann:

  • Abweichungen des Istzustandes vom Sollzustand (siehe TRBS 1111) erkennen, bewerten und das Ergebnis dokumentieren,
  • die bei der vorgesehenen Verwendung des Arbeitsmittels auftretenden Gefährdungen beurteilen,
  • Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen kennen, die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt wurden,
  • beurteilen, ob die vorgesehenen Prüfverfahren für die Prüfaufgabe geeignet sind,
  • sowie die Prüfverfahren anwenden (TRBS 1203 Abschnitt 2.1).

Die TRBS 1203 erklärt vor allem auch die dehnbaren Begriffe wie Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe berufliche Tätigkeit.

Berufsausbildung

Eine zur Prüfung befähigte Person muss eine für die Prüfaufgabe einschlägige technische Berufsausbildung abgeschlossen haben. Bezogen auf Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen ist das eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung. In der TRBS 1203 (Abschnitt 3.1) werden beispielhaft einige Ausbildungsberufe genannt:

  • Elektroniker der Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik,
  • Systemelektroniker,
  • Informationselektroniker Schwerpunkt Bürosystemtechnik oder Geräte- und Systemtechnik,
  • Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik sowie vergleichbare industrielle Ausbildungen.

Ein abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik gilt ebenfalls als Berufsausbildung im Sinne der TRBS 1203 Abschnitt 3.1 desgleichen auch

„eine andere für die vorgesehenen Prüfaufgaben ausreichende elektrotechnische Qualifikation“.

TRBS 1203, Abschnitt 3.1 Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten

Berufserfahrung

Eine befähigte Person soll durch eine Prüfung bewerten, ob Arbeitsmittel sicher sind. Um das zuverlässig tun zu können, braucht es „über einen angemessenen Zeitraum“ hin Erfahrungen im Umgang mit den Arbeitsmitteln, fordert die TRBS 1203. So soll die befähigte Person „genügend Anlässe kennen“, die eine Prüfung auslösen. Sie soll mit der Montage oder Installation und der sicheren Funktion des zu prüfenden Arbeitsmittels vertraut sein. Dazu zählen auch dessen Schutzeinrichtungen. Sie muss folgendes kennen:

  • Schäden verursachende Einflüsse, denen das Arbeitsmittel bei der Verwendung ausgesetzt sein kann,
  • typischen Schäden und sich dadurch ergebenden Gefährdungen für die Beschäftigten,
  • außergewöhnliche Ereignisse, die das zu prüfende Arbeitsmittel betreffen und schädigende Auswirkungen auf dessen Sicherheit haben können und
  • Erfahrungswerte aus der Prüfung vergleichbarer Arbeitsmittel.

Im Bereich der Elektrotechnik wird eine mindestens einjährige Erfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln oder Anlagen gefordert (TRBS 1203 Abschnitt 3.1).

Zeitnahe berufliche Tätigkeit

In der Betriebssicherheitsverordnung wird als Voraussetzung um als eine zur Prüfung befähigte Person mit Prüfaufgaben beauftragt zu werden eine zeitnahe berufliche Tätigkeit genannt (§ 2 Abs. 6 BetrSichV).

Die zeitnahe berufliche Tätigkeit muss im Umfeld der anstehenden Prüfungen erfolgen. Dabei sollen Erfahrung mit der Durchführung vergleichbarer Prüfungen gesammelt sowie die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit Prüfmitteln und der Bewertung von Prüfergebnissen erworben werden.

In der TRBS 1203 werden die Durchführung von oder die Beteiligung an mehreren Prüfungen pro Jahr gefordert.

Mögliche zeitnahe berufliche Tätigkeiten

Geeignete zeitnahe berufliche Tätigkeiten können folgende sein:

  • Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten und abschließender Prüfung an elektrischen Geräten,
  • Prüfung elektrischer Betriebsmittel in der Industrie, z. B. in Labors, an Prüfplätzen,
  • Instandsetzung und Prüfung von elektrischen Geräten unter Leitung und Aufsicht einer befähigten Person.

Zu dem Qualifizierungsmerkmal „zeitnahe berufliche Tätigkeit“ gehören auch die aktuellen Kenntnisse der Elektrotechnik. Insbesondere die Normen nach denen die jeweilige Prüfung der Arbeitsmittel durchzuführen ist.

Für ortsveränderliche elektrische Geräte wäre dies aktuell noch die VDE 0701-0702, für Lichtbogenschweißeinrichtungen die VDE 0544-4 und für Medizinprodukte die VDE 0751-1. Immer wieder neue Erkenntnisse und/oder Technologien verändern die Regelwerkskunde und machen somit eine regelmäßige Weiterbildung zum Erhalt der Fachkunde unabdingbar.

Fachkunde, spezielle Kenntnisse und praktische Tipps werden durch Schulungen aufrechterhalten oder einen „einschlägigen Erfahrungsaustausch“ vermittelt (TRBS 1203 Abschnitt 3.1).

Unterbrechung der Tätigkeit kann zu Verlust des Status als befähigte Person führen

Folgerichtig kann eine Unterbrechung der Prüftätigkeit dazu führen, dass nicht mehr von einer zeitnahen beruflichen Tätigkeit gesprochen werden kann und erneut Erfahrungen gesammelt und die Kenntnisse aktualisiert werden müssen.

Die zur Prüfung befähigte Person für die Prüfungen der Maßnahmen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss ihre Kenntnisse der Elektrotechnik aktualisieren, z. B. durch Teilnahme an fachspezifischen Schulungen oder an einem einschlägigen Erfahrungsaustausch. Beides kann auch innerbetrieblich erfolgen, wenn die erforderliche Fachkunde im Unternehmen zur Verfügung steht.

TRBS 1203, Abschnitt 3.1 Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten

Dabei sollte der Inhalt und Umfang der Schulung sowie der Erfolg der Schulungsmaßnahme dokumentiert werden.

Was muss eine befähigte Person können?

Die Anforderungen an die Kenntnisse und Fähigkeiten einer befähigten Person hängen von der Komplexität der Prüfungen ab (siehe TRBS 1203, Abschnitt 2.1: Der Arbeitgeber hat zu gewährleisten, dass die „Befähigung der Schwierigkeit bzw. Komplexität der Prüfaufgabe angemessen ist“). Nach den Richtlinien des VDI (VDI 4068 Blatt 4) soll eine befähigte Person über folgende Qualifikation verfügen:

  • Kenntnisse sicherheitstechnisch relevanter Vorschriften und technischer Regeln
  • Sicherer Umgang mit den notwendigen Messgeräten
  • Prüfinhalte und – abläufe nach DIN VDE 0701-0702
  • Kenntnisse für die mechanische und elektrische Beurteilung handgeführter elektrisch betriebener Arbeitsmittel bei der Sichtprüfung
  • Kenntnisse für die Beurteilung von ermittelten Messwerten, vor allem im Vergleich zu ermittelten Werten anderer, vergleichbarer Geräte oder zu plausiblen Werten (Üblichkeitswerten) bzw. zu errechneten Werten
  • Kenntnisse weiterer infrage kommender technischer Regeln 

Wie wird man eine befähigte Person?

Eine zur Prüfung befähigte Person wird man durch eine schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber.

Die befähigte Person muss die oben beschriebenen Qualifikationskriterien – Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe berufliche Tätigkeit (inkl. aktueller Regelwerkskenntnisse) , erfüllen. Der Arbeitgeber hat dies sicherzustellen (TRBS 1203 Abschnitt 2.1)

Der Arbeitgeber muss vor der Beauftragung ermitteln, welche Voraussetzungen die von ihm mit den Prüfungen von Arbeitsmitteln beauftragte befähigte Person erfüllen muss und gewährleisten, dass die Prüfungen sachgerecht durchgeführt werden.

Wie bleibt man eine befähigte Person?

Wer von seinem Arbeitgeber beauftragt wurde, ist eine zur Prüfung befähigte Person. Das ist er aber nicht automatisch für immer. Unterbricht die befähigte Person längere Zeit ihre Prüftätigkeit, kann die Qualifikation erlöschen. Gegebenenfalls müssen dann erneut Erfahrungen mit Prüfungen gesammelt und die erforderlichen Kenntnisse z. B. durch Schulungen aktualisiert werden.

Die TRBS 1203 fordert zudem, dass eine befähigte Person den Stand der Technik kenne.

Das VDI 4068 Blatt 4 sieht eine Auffrischung der Kenntnisse spätestens alle 3 Jahre durch z. B. eine externe Schulungseinrichtung für angemessen an.

Wer legt fest, wer eine befähigte Person ist?

Der Arbeitgeber trägt gemäß Betriebssicherheitsverordnung die Auswahlverantwortung für Personen, die von ihm mit der Durch­führung von Prüfungen zur Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustandes der Arbeitsmittel beauftragt werden. Der Arbeitgeber muss die erforderliche Qualifikation der zur Prüfung befähigten Personen sicherstellen.

Wie unabhängig ist eine befähigte Person bei fachlichen Entscheidungen?

Eine befähigte Person kann ein Beschäftigter oder ein externer Dienstleister sein (siehe unten), in beiden Fällen unterliegt sie aber bei Prüfungen nach der Betriebssicherheitsverordnung keinen fachlichen Weisungen durch den Arbeitgeber.

„Zur Prüfung befähigte Personen nach § 2 Absatz 6 unterliegen bei der Durchführung der nach dieser Verordnung vorgeschriebenen Prüfungen keinen fachlichen Weisungen durch den Arbeitgeber. Zur Prüfung befähigte Personen dürfen vom Arbeitgeber wegen ihrer Prüftätigkeit nicht benachteiligt werden. „

§ 14 Abs. 6 BetrSichV

Tipp: Weisungsfreiheit und Fortbildung

Die schriftliche Bestellung zur befähigen Person sollte die Weisungsfreiheit der beauftragten Person für die Tätigkeit innerhalb des beschriebenen Aufgabenbereiches beinhalten. Auch ein Passus für die zu ermöglichende regelmäßige Weiterbildung ist sinnvoll.


Muss eine befähigte Person fest angestellt sein?

Nein. Der Arbeitgeber kann auch einen externen Dienstleister beauftragen. Die Verantwortung für die sachgerechte Durchführung der Prüfungen bleibt allerdings bei ihm (TRBS 1203 Abschnitt 2.6). Der Arbeitgeber muss also einen Dienstleister aussuchen, der entsprechend der vordefinierten Prüfaufgaben qualifiziert ist – analog zur der Auswahl eines Beschäftigten.