Neue TRBS 1203

Die Technische Regel zur Betriebssicherheit (TRBS) 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ wurde überarbeitet. In der neuen Fassung wird detaillierter erklärt, welche Voraussetzungen eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen muss. An den wesentlichen Vorgaben der TRBS 1203 wurde nichts geändert.

Die TRBS 1203 konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in einer Hinsicht: Sie erklärt die Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Personen nach § 2 Abs. 6 BetrSichV. Demnach muss eine zur Prüfung befähigte Person über

  • eine Berufsausbildung
  • Berufserfahrung und
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit

verfügen, um Arbeitsmittel, die zum Beispiel zu Gefährdungen für Beschäftigte führen können, sachgerecht zu prüfen.

Die TRBS 1203 führt ein einem allgemeinen Teil (Abschnitt 2) aus, was unter Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnaher berufliche Tätigkeit zu verstehen ist. Diese Anforderungen müssen alle zur Prüfung befähigten Personen erfüllen (mehr zu den Anforderungen an eine befähigte Person siehe Beitrag „Befähigte Person„).

Abschnitt 3 enthält Anforderungen für die Prüfung an bestimmten Arbeitsmitteln, 3.1 für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten.

Mehr Erläuterungen

Im Gegensatz zur Fassung der TRBS 1203 aus dem Jahr 2012, ist in der vom März 2019 eine Textpassage eingefügt, die „Allgemeines“ zur den Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Person erläutert. Zum Beispiel:

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die zur Prüfung befähigte Person ausreichend befähigt ist, sodass sie hinsichtlich der übertragenen Prüfaufgaben
– Abweichungen des Istzustandes vom Sollzustand (siehe TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung“) erkennen, bewerten und das Ergebnis dokumentieren kann,
– die bei der vorgesehenen Verwendung des Arbeitsmittels auftretenden Gefährdungen beurteilen kann,
– Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen kennt, die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt wurden,
– beurteilen kann, ob die vorgesehenen Prüfverfahren für die Prüfaufgabe geeignet sind, sowie
– die Prüfverfahren anwenden kann.

Hierzu gehört auch die Kenntnis aller Schutzmaßnahmen, die zur sicheren Durchführung der Prüfung erforderlich sind

Technische Regel zur Betriebssicherheit „Zur Prüfung befähigte Person“, Abschnitt 2.1 Allgemeines

Geändert hat sich die Reihenfolge im Abschnitt 3 der Technischen Regel. Die Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten stehen nun im Abschnitt 3.1 und nicht mehr 3.3. Mehr zu den Anforderungen siehe –LINK)

Fazit: Mehr Erläuterungen

Der Ausschuss für Betriebssicherheit, der die Technischen Regeln erarbeitet, bemüht sich, die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung zu erläutern. Der Arbeitergeber bekommt mit der neuen TRBS 1203 eine Anleitung, nach welchen Kriterien eine zur Prüfung befähigte Person auszuwählen ist.

Oft entscheidet der Preis

In der BetrSichV wie auch in der TRBS steht nichts von dem Auswahlkriterium Preis. Leider meinen immer noch viele Arbeitgeber und ihre Einkäufer der niedrigste Preis wäre das Hauptkriterium bei der Auswahlverantwortung und nicht die zwingend erforderliche Befähigung der prüfenden Person.

Ist eine Elektrofachkraft automatisch eine zur Prüfung befähigte Person?

Das Anforderungsprofil und die Aufgaben von Elektrofach­kräften und zur Prüfung befähigten Personen sind ähnlich. Das führt immer wieder zu der Vermutung, eine Elektrofachkraft sei zugleich auch immer eine zur Prüfung befähigte Person. Dem ist aber nicht so.

Die Unterschiede betreffen vor allem die Funktion innerhalb der Betriebsorganisation. Wie ihr Name schon nahelegt, ist die zur Prüfung befähigte Person für die Prüfung von Arbeitsmitteln zuständig. Eine Elektrofachkraft hat ein weiteres Aufgabenspektrum.

Unterschiedliche Regelwerke

Während die Elektrofachkraft in einer Unfallverhütungsvorschrift von Sozialversicherungsträgern definiert und von privaten Verei­nen (DIN, VDE) in die Normung aufgenommen wurde, stammt der Begriff der zur Prüfung befähigten Person aus den Regelwerken des Staates (Betriebssicherheitsverordnung und Technische Regeln zur Betriebssicherheit).

Definition der zur Prüfung befähigten „Person“

Die Definition der zur Prüfung befähigte Person in der Betriebssicherheitsverordnung (§ 2 Abs. 6) bezieht sich auf die Prüfung von Arbeitsmitteln:

Zur Prüfung befähigte Person ist eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt …

§ 2 Abs. 6 BetrSichV

Arbeitsmittel gemäß Betriebssicherheitsverordnung sind

Werkzeuge, Geräte, Maschinen oder Anlagen, die für die Arbeit verwendet werden, sowie überwachungsbedürftige Anlagen.

§ 2 Abs. 1 BetrSichV

Rolle des Arbeitgebers

Bei der Beauftragung einer zur Prüfung befähigten Person verpflichten die staatlichen Regelwerke den Arbeitgeber die Prüfaufgaben zu definieren und die notwendige Qualifikation sicherzustellen (zu der Qualifikation einer zur Prüfung befähigten Person siehe Beitrag „Befähigte Person„) . Die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 1203 betonen ausdrücklich die Auswahlverantwortung des Arbeitgebers (zur Verantwortung des Arbeitgebers bei der Auswahl der zur Prüfung befähigten Person siehe „Befähigte Person„) .

Definition der Elektrofachkraft

Eine Elektrofachkraft kann in einem Fachbereich der Elektrotechnik übertragene Aufgaben beurteilen und mögliche Gefahren erkennen. Mit anderen Worten, ein wesentliches Merkmal einer Elektrofachkraft ist, dass sie elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich und selbstständig durchführen kann. Voraussetzung ist eine bestimmte Qualifikation. Sie be­steht neben einer fachlichen Ausbildung aus Berufserfahrungen und Kenntnissen in einem Fachbereich der Elektrotech­nik und Kenntnisse der für den Fachbereich relevanten elektrotechnischen Regelwerke. Auch für richtige Auswahl der Elektrofachkraft trägt der Arbeitgeber die Verantwortung.

Synopse: Elektrofachkraft und zur Prüfung befähigte Person


Elektrofachkraft gemäß DGUV Vorschrift 3 / DIN VDE 0105-100

Zur Prüfung befähigte Person gemäß TRBS 1203 Abschnitt 3.3
Begriff ist nur in der Elektrotechnik anzutreffenBegriff ist im gesamten Arbeitsschutz anzutreffen
Der Begriff deckt innerhalb der Elektrotechnik ein weites Spektrum ab; bezogen auf den einzelnen Mitarbeiter bezieht er sich auf dessen konkretes und eingeschränktes Aufgabengebiet.Der Begriff deckt innerhalb der Elektrotechnik ein spezielles, eng gefasstes Spektrum ab: Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen.
Qualifikation kann erlöschen (siehe DIN VDE 0100-10:2009-01 Anhang A Erläuterung zu 5.2) Qualifikation kann erlöschen (siehe Forderung nach der zeitnahen Tätigkeit).

Hohe Anforderungen an die Kenntnis von Vorschriften und Bestimmungen (siehe DIN VDE 0100-10:2009 Anhang Erläuterung zu 3.2)Hohe Anforderungen an die Kenntnis von Vorschriften und Bestimmungen (siehe TRBS 1203 Abschnitt 2 und 3.1)
Schriftliche Beauftragung sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben (siehe DIN VDE 0100-10:2009 Anhang Erläuterung zu 3.2 )Schriftliche Beauftragung sinnvoll

Quelle: Stefan Euler und Ralf Ensmann

Fazit

Die Begriffe Elektrofachkraft und zur Prüfung befähigte Person beschreiben verschiedene Funktionen innerhalb einer elektrotechnischen Betriebsorganisation. Ein Mitarbeiter kann auch beide Funktionen ausfüllen. So kann ein Arbeitgeber eine Elektrofachkraft auch mit der Prüfung von Arbeitsmittel beauftragen – allerdings nur, wenn diese auch die Voraussetzungen einer Beauftragung zu einer zur Prüfung befähigten Person erfüllt (zu den Voraussetzungen siehe Beitrag „Befähigte Person„). Die Beauftragung sollte schriftlich erfolgen.

Befähigte Person

Eine befähigte Person verfügt über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten für die Prüfung von Arbeitsmitteln. Diese Qualifikation erlangt sie durch eine elektrotechnische Berufsausbildung, Berufserfahrung, eine zeitnahe berufliche Tätigkeit in dem Bereich, in dem sie Arbeitsmittel prüft und Weiterbildungen auf das jeweilige Spezialgebiet ( z. B. angewandte VDE Normen).

Vorgaben zur Funktion und Qualifikation einer zur Prüfung befähigten Person sind Teil des staatlichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung und die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203) Sie definieren die Rolle der befähigten Person innerhalb der Betriebsorganisation wie auch die Fähigkeiten und Kenntnisse, über die eine zur Prüfung befähigte Person verfügen muss.

Betriebssicherheitsverordnung und die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 übertragen zugleich dem jeweiligen Arbeitgeber

  • die Auswahlverantwortung: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass eine entsprechend den Vorgaben der BetrSichV und der TRBS 1203 qualifizierte Person die Prüfungen durchführt,
  • die Kontrolle der Befähigung: Der Arbeitgeber muss „sicherstellen“, dass die zur Prüfung befähigte Person entsprechend den Kriterien der TRBS 1203 auswählt und qualifiziert ist (TRBS 1203 Abschnitt 2.1),
  • die Garantie der fachliche Unabhängigkeit: Der Arbeitgeber darf die befähigte Person nicht wegen ihrer Prüftätigkeit benachteiligen; sie ist zudem in fachlichen Fragen weisungsfrei (§ 14 Abs. 6 BetrSichV),
  • die Form: Der Arbeitgeber muss eine befähigte Person schriftlich beauftragen. Wenn ihre Ernennung dokumentiert wird, sollten sinnvollerweise auch die Kriterien der Beauftragung festgehalten werden, konkret ein Nachweis, dass die Qualifikation überprüft wurde (siehe Tipp Musterformular).

Tipp: Musterformular

Der Arbeitgeber bzw. der Mitarbeiter, dem die Pflicht der richtigen Auswahl der befähigten Person nach Betriebssicherheitsverordnung übertragen wurde, muss sich vergewissern, dass die zur Prüfung befähigten Person in dem Bereich, in dem sie eingesetzt wird, die Qualifikationsanforderungen der Betriebssicherheitsverordnung und der TRBS 1203 erfüllt. MEBEDO bietet ein Musterformular, das dabei helfen kann, die Eignung des Mitarbeiters zu erkennen und das Auswahlverfahren zu dokumentieren. Kontakt: consulting@mebedo.de


Die vorgeschriebene Qualifikation einer befähigten Person variiert je nachdem welche Arbeitsmittel sie prüft. Dieser Beitrag beschäftigt sich im Folgenden mit den Voraussetzungen für die Prüfung von elektrischen Arbeitsmitteln.

Anforderung der Betriebssicherheitsverordnung

In der Betriebssicherheitsverordnung wird der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für alle Arbeitsmittel und alle überwachungsbedürftigen Anlagen (im Sinne der §§ 14, 15, 16 BetrSichV) in seinem Betrieb auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung Prüfart-, Umfang und -Frist zu ermitteln und welcher Voraussetzung es bedarf, die eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen muss, um Arbeitsmittel zu prüfen (§ 3 Abs. 6 BetrSichV).

Den Kreis der Arbeitsmittel, die nach § 14 BetrSichV vor ihrer erstmaligen Verwendung von einer befähigten Person zu prüfen sind, ist weit gefasst. Es sind:

  • Arbeitsmittel, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängen,
  • Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind,
  • Arbeitsmittel, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können.

Überwachungsbedürftige Anlagen nach § 15 BetrSichV sind u. a. Dampfkesselanlagen, Druckbehälteranlagen, Füllanlagen, Aufzugsanlagen und Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen.

Erforderliche Kenntnisse

Eine befähigte Person muss über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügen. Diese erlangt sie nach § 2 Abs. 3 Nr. 6 BetrSichV durch

  • eine Berufsausbildung
  • Berufserfahrung und
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit (inklusive aktueller Regelwerkskenntnisse)
zum Prüfen befähigte Person prüft
Prüfung einer Kaffeemaschine

Konkretisierung in der TRBS 1203

Die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ konkretisiert die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung.

Eine befähigte Person muss folgendes können

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass eine zur Prüfung befähigte Person folgendes kann:

  • Abweichungen des Istzustandes vom Sollzustand (siehe TRBS 1111) erkennen, bewerten und das Ergebnis dokumentieren,
  • die bei der vorgesehenen Verwendung des Arbeitsmittels auftretenden Gefährdungen beurteilen,
  • Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen kennen, die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt wurden,
  • beurteilen, ob die vorgesehenen Prüfverfahren für die Prüfaufgabe geeignet sind,
  • sowie die Prüfverfahren anwenden (TRBS 1203 Abschnitt 2.1).

Die TRBS 1203 erklärt vor allem auch die dehnbaren Begriffe wie Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe berufliche Tätigkeit.

Berufsausbildung

Eine zur Prüfung befähigte Person muss eine für die Prüfaufgabe einschlägige technische Berufsausbildung abgeschlossen haben. Bezogen auf Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen ist das eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung. In der TRBS 1203 (Abschnitt 3.1) werden beispielhaft einige Ausbildungsberufe genannt:

  • Elektroniker der Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik,
  • Systemelektroniker,
  • Informationselektroniker Schwerpunkt Bürosystemtechnik oder Geräte- und Systemtechnik,
  • Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik sowie vergleichbare industrielle Ausbildungen.

Ein abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik gilt ebenfalls als Berufsausbildung im Sinne der TRBS 1203 Abschnitt 3.1 desgleichen auch

„eine andere für die vorgesehenen Prüfaufgaben ausreichende elektrotechnische Qualifikation“.

TRBS 1203, Abschnitt 3.1 Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten

Berufserfahrung

Eine befähigte Person soll durch eine Prüfung bewerten, ob Arbeitsmittel sicher sind. Um das zuverlässig tun zu können, braucht es „über einen angemessenen Zeitraum“ hin Erfahrungen im Umgang mit den Arbeitsmitteln, fordert die TRBS 1203. So soll die befähigte Person „genügend Anlässe kennen“, die eine Prüfung auslösen. Sie soll mit der Montage oder Installation und der sicheren Funktion des zu prüfenden Arbeitsmittels vertraut sein. Dazu zählen auch dessen Schutzeinrichtungen. Sie muss folgendes kennen:

  • Schäden verursachende Einflüsse, denen das Arbeitsmittel bei der Verwendung ausgesetzt sein kann,
  • typischen Schäden und sich dadurch ergebenden Gefährdungen für die Beschäftigten,
  • außergewöhnliche Ereignisse, die das zu prüfende Arbeitsmittel betreffen und schädigende Auswirkungen auf dessen Sicherheit haben können und
  • Erfahrungswerte aus der Prüfung vergleichbarer Arbeitsmittel.

Im Bereich der Elektrotechnik wird eine mindestens einjährige Erfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln oder Anlagen gefordert (TRBS 1203 Abschnitt 3.1).

Zeitnahe berufliche Tätigkeit

In der Betriebssicherheitsverordnung wird als Voraussetzung um als eine zur Prüfung befähigte Person mit Prüfaufgaben beauftragt zu werden eine zeitnahe berufliche Tätigkeit genannt (§ 2 Abs. 6 BetrSichV).

Die zeitnahe berufliche Tätigkeit muss im Umfeld der anstehenden Prüfungen erfolgen. Dabei sollen Erfahrung mit der Durchführung vergleichbarer Prüfungen gesammelt sowie die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit Prüfmitteln und der Bewertung von Prüfergebnissen erworben werden.

In der TRBS 1203 werden die Durchführung von oder die Beteiligung an mehreren Prüfungen pro Jahr gefordert.

Mögliche zeitnahe berufliche Tätigkeiten

Geeignete zeitnahe berufliche Tätigkeiten können folgende sein:

  • Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten und abschließender Prüfung an elektrischen Geräten,
  • Prüfung elektrischer Betriebsmittel in der Industrie, z. B. in Labors, an Prüfplätzen,
  • Instandsetzung und Prüfung von elektrischen Geräten unter Leitung und Aufsicht einer befähigten Person.

Zu dem Qualifizierungsmerkmal „zeitnahe berufliche Tätigkeit“ gehören auch die aktuellen Kenntnisse der Elektrotechnik. Insbesondere die Normen nach denen die jeweilige Prüfung der Arbeitsmittel durchzuführen ist.

Für ortsveränderliche elektrische Geräte wäre dies aktuell noch die VDE 0701-0702, für Lichtbogenschweißeinrichtungen die VDE 0544-4 und für Medizinprodukte die VDE 0751-1. Immer wieder neue Erkenntnisse und/oder Technologien verändern die Regelwerkskunde und machen somit eine regelmäßige Weiterbildung zum Erhalt der Fachkunde unabdingbar.

Fachkunde, spezielle Kenntnisse und praktische Tipps werden durch Schulungen aufrechterhalten oder einen „einschlägigen Erfahrungsaustausch“ vermittelt (TRBS 1203 Abschnitt 3.1).

Unterbrechung der Tätigkeit kann zu Verlust des Status als befähigte Person führen

Folgerichtig kann eine Unterbrechung der Prüftätigkeit dazu führen, dass nicht mehr von einer zeitnahen beruflichen Tätigkeit gesprochen werden kann und erneut Erfahrungen gesammelt und die Kenntnisse aktualisiert werden müssen.

Die zur Prüfung befähigte Person für die Prüfungen der Maßnahmen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss ihre Kenntnisse der Elektrotechnik aktualisieren, z. B. durch Teilnahme an fachspezifischen Schulungen oder an einem einschlägigen Erfahrungsaustausch. Beides kann auch innerbetrieblich erfolgen, wenn die erforderliche Fachkunde im Unternehmen zur Verfügung steht.

TRBS 1203, Abschnitt 3.1 Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen für Arbeitsmittel mit elektrischen Komponenten

Dabei sollte der Inhalt und Umfang der Schulung sowie der Erfolg der Schulungsmaßnahme dokumentiert werden.

Was muss eine befähigte Person können?

Die Anforderungen an die Kenntnisse und Fähigkeiten einer befähigten Person hängen von der Komplexität der Prüfungen ab (siehe TRBS 1203, Abschnitt 2.1: Der Arbeitgeber hat zu gewährleisten, dass die „Befähigung der Schwierigkeit bzw. Komplexität der Prüfaufgabe angemessen ist“). Nach den Richtlinien des VDI (VDI 4068 Blatt 4) soll eine befähigte Person über folgende Qualifikation verfügen:

  • Kenntnisse sicherheitstechnisch relevanter Vorschriften und technischer Regeln
  • Sicherer Umgang mit den notwendigen Messgeräten
  • Prüfinhalte und – abläufe nach DIN VDE 0701-0702
  • Kenntnisse für die mechanische und elektrische Beurteilung handgeführter elektrisch betriebener Arbeitsmittel bei der Sichtprüfung
  • Kenntnisse für die Beurteilung von ermittelten Messwerten, vor allem im Vergleich zu ermittelten Werten anderer, vergleichbarer Geräte oder zu plausiblen Werten (Üblichkeitswerten) bzw. zu errechneten Werten
  • Kenntnisse weiterer infrage kommender technischer Regeln 

Wie wird man eine befähigte Person?

Eine zur Prüfung befähigte Person wird man durch eine schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber.

Die befähigte Person muss die oben beschriebenen Qualifikationskriterien – Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe berufliche Tätigkeit (inkl. aktueller Regelwerkskenntnisse) , erfüllen. Der Arbeitgeber hat dies sicherzustellen (TRBS 1203 Abschnitt 2.1)

Der Arbeitgeber muss vor der Beauftragung ermitteln, welche Voraussetzungen die von ihm mit den Prüfungen von Arbeitsmitteln beauftragte befähigte Person erfüllen muss und gewährleisten, dass die Prüfungen sachgerecht durchgeführt werden.

Wie bleibt man eine befähigte Person?

Wer von seinem Arbeitgeber beauftragt wurde, ist eine zur Prüfung befähigte Person. Das ist er aber nicht automatisch für immer. Unterbricht die befähigte Person längere Zeit ihre Prüftätigkeit, kann die Qualifikation erlöschen. Gegebenenfalls müssen dann erneut Erfahrungen mit Prüfungen gesammelt und die erforderlichen Kenntnisse z. B. durch Schulungen aktualisiert werden.

Die TRBS 1203 fordert zudem, dass eine befähigte Person den Stand der Technik kenne.

Das VDI 4068 Blatt 4 sieht eine Auffrischung der Kenntnisse spätestens alle 3 Jahre durch z. B. eine externe Schulungseinrichtung für angemessen an.

Wer legt fest, wer eine befähigte Person ist?

Der Arbeitgeber trägt gemäß Betriebssicherheitsverordnung die Auswahlverantwortung für Personen, die von ihm mit der Durch­führung von Prüfungen zur Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustandes der Arbeitsmittel beauftragt werden. Der Arbeitgeber muss die erforderliche Qualifikation der zur Prüfung befähigten Personen sicherstellen.

Wie unabhängig ist eine befähigte Person bei fachlichen Entscheidungen?

Eine befähigte Person kann ein Beschäftigter oder ein externer Dienstleister sein (siehe unten), in beiden Fällen unterliegt sie aber bei Prüfungen nach der Betriebssicherheitsverordnung keinen fachlichen Weisungen durch den Arbeitgeber.

„Zur Prüfung befähigte Personen nach § 2 Absatz 6 unterliegen bei der Durchführung der nach dieser Verordnung vorgeschriebenen Prüfungen keinen fachlichen Weisungen durch den Arbeitgeber. Zur Prüfung befähigte Personen dürfen vom Arbeitgeber wegen ihrer Prüftätigkeit nicht benachteiligt werden. „

§ 14 Abs. 6 BetrSichV

Tipp: Weisungsfreiheit und Fortbildung

Die schriftliche Bestellung zur befähigen Person sollte die Weisungsfreiheit der beauftragten Person für die Tätigkeit innerhalb des beschriebenen Aufgabenbereiches beinhalten. Auch ein Passus für die zu ermöglichende regelmäßige Weiterbildung ist sinnvoll.


Muss eine befähigte Person fest angestellt sein?

Nein. Der Arbeitgeber kann auch einen externen Dienstleister beauftragen. Die Verantwortung für die sachgerechte Durchführung der Prüfungen bleibt allerdings bei ihm (TRBS 1203 Abschnitt 2.6). Der Arbeitgeber muss also einen Dienstleister aussuchen, der entsprechend der vordefinierten Prüfaufgaben qualifiziert ist – analog zur der Auswahl eines Beschäftigten.

FAQ zur Elektrofachkraft

Wer ist eine Elektrofachkraft?

Eine Elektrofachkraft ist jemand, der in einem Fachbereich der Elektrotechnik

  • übertragene Aufgaben beurteilen und
  • mögliche Gefahren erkennen kann.

Eine Elektrofachkraft kann und darf also elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich und selbstständig durchführen.

Um das tun zu dürfen, ist eine bestimmte Qualifikation notwendig. Sie be­steht neben einer fachlichen Ausbildung aus Berufserfahrungen und Kenntnissen in einem Fachbereich der Elektrotech­nik und Kenntnisse der für den Fachbereich relevanten elektrotechnischen Regelwerke.

Vereinfachte Darstellung der Anforderungen an eine Elektrofachkraft. Quelle: MEBEDO

Eine Elektrofachkraft ist keine Berufsbezeichnung (Vgl. auch die DGUV-Information 203-002 (früher BGI 548 ), vielmehr wird mit diesem Begriff der Status eines Mitarbeiters innerhalb einer Betriebsorganisation beschrieben.

Aus den Vorgaben, über welche Kenntnisse und Fertigkeiten eine Elektrofachkraft verfügen muss, ergibt sich zudem, dass eine Elektrofachkraft immer eine Fachkraft für einen be­stimmten Fachbereich der Elektrotechnik ist.

Wo ist festgelegt, wer eine Elektrofachkraft ist?

In zwei Regelwerken wird definiert, wer eine Elektrofachkraft ist. Zum einen gibt es die Definitionen in den VDE-Normen und zum anderen in den Unfallverhütungsvorschriften. Beide Erklärungen sind fast gleichlautend.

Definition in den DIN / VDE- Bestimmungen

Verbindlichkeit der VDE-Bestimmungen

VDE-Bestimmungen sind nach dem Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung (Energiewirtschaftsgesetz – EnWG) die allgemein anerkannten Regeln der Technik für elektrische Anlagen (§ 49 Abs. 2 EnWG). Wer die Vorgaben der VDE-Bestimmungen einhält, der kann davon ausgehen, dass er die technische Sicherheit gewährleistet, die der Gesetzgeber verlangt.

DIN VDE 0105-100:2015-10 Betrieb von elektrischen Anlagen

3.2.4 Elektrofachkraft

eine Person mit geeigneter fachlicher Ausbildung, Kenntnissen und Erfahrungen, so dass sie Gefahren erkennen und vermeiden kann, die von der Elektrizität ausgehen können.

Quelle: IEC 60050-651:1999. IEV 651-01-04 modifiziert

Für Deutschland ersetzt durch:

Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Anmerkung 1 zum Begriff: Zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung kann auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet herangezogen werden.

Quelle: DIN VDE 0105-100:2015-10, Betrieb von elektrischen Anlagen, Abschnitt 3.2.4

Definition in DIN VDE 1000-10:2009-01 Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen

DIN VDE 1000-10 Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“

3.2 Elektrofachkraft Definition aus der Norm

Person, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann

Eine Elektrofachkraft muss neben DIN-VDE-Normen auch Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und berufsgenossenschaftliche Regelwerke kennen

In der DIN VDE 1000-10 wird klargestellt, dass unter dem Begriff der „einschlägigen Normen“ nicht nur der enge Begriff der DIN­ VDE-Normen zu verstehen ist, sondern auch Vorschriften und Bestimmungen anderer Regelsetzer.

Dies bedeutet: Es ist nicht ausreichend, dass eine Elektrofachkraft die DIN-VDE Normen kennt. Sie muss auch Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und berufsgenossenschaftliche Regelwerke kennen.

Welche einschlägigen Regelwerke eine Elektrofachkraft kennen muss, ist unterschiedlich und variiert nach ihrem Einsatzgebiet.

Auch für die DIN VDE 1000-10 gilt, dass zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet herangezogen werden kann.

Definition in den berufsgenossenschaftlichen Regelwerken

DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“

Als Elektrofachkraft im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift gilt,

– wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung

– Kenntnisse und Erfahrungen sowie

– Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen

die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Quelle: DGUV Vorschrift 3, Elektrische Anlagen und Betriebsmittel, § 2 Abs. 3
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VEFK ohne schriftliche Beauftragung

Eine Übertragung von Pflichten innerhalb einer betrieblichen Organisation muss schriftlich erfolgen. Was aber wenn jemand die Funktion einer Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) ausübt, ohne schriftlich beauftragt worden zu sein? Ist eine mündliche Beauftragung unwirksam? Welche Folgen hat eine fehlende schriftliche Beauftragung für eine VEFK?

Neue VDE 0100-704

Die DIN VDE 0100-704 für die Elektroversorgung von Baustellen wurde neu veröffentlicht. Neu ist u. a., dass Drehstrom-Steckdosen in Baustromverteilern bis einschließlich 63 A mit einem allstromsensitiven RCD vom Typ B geschützt werden müssen und dass fest angeschlossene Baustromverteiler mit Steckdosen durch Laien bedienbare Einrichtungen zum Trennen der Einspeisung enthalten müssen. Nachrüstungen älterer Baustromverteiler dürften nahezu unmöglich sein.

Neue DIN VDE 0100-410

Die DIN VDE 0100-410 wurde überarbeitet. Die neue DIN VDE-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen macht u. a. neue Vorgaben zu Abschaltzeiten, Steckdosen in Endstromkreisen und RCDs in Wohnungen.

Wann muss ich unterweisen?

Jeder Arbeitgeber muss seine Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz unterweisen. Das schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor. Gesetzgeber, Ministerien und Sozialversicherungsträger machen aber noch weitere Vorgaben, was Inhalt, Anlass, Turnus und Häufigkeit der Unterweisung angeht. Sie geben somit einen Leitfaden über was, wie und wann unterwiesen werden muss.

Neue TRBS 1111 für Gefährdungsbeurteilungen

Die überarbeitete Technische Regel zur Betriebssicherheit TRBS 1111 bietet mehr Erläuterungen, wie Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitsmittel durchgeführt werden sollten.

Prüfen im Prüfteam mit EuP

Prüfen mit EuP

Elektrische Arbeitsmittel darf nur eine zum Prüfen befähigte Person durchführen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann von dieser Vorgabe abgewichen werden. Dieser Beitrag erläutert, unter welchen Bedingungen eine Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) für Wiederholungsprüfungen von elektrischen Arbeitsmitteln nach VDE 0701-0702 eingesetzt werden kann.

Die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung

Die Prüfung eines Arbeitsmittels dient dem Nachweis, ob von diesen eine Gefährdung ausgeht oder nicht. Um diesen Nachweis zu erbringen werden bestimmte Prüfverfahren verwendet und es muss eine technische Ausrüstung verwendet werden. Beides zusammen bringt aber nicht automatisch ein verlässliches Prüfergebnis und damit den Nachweis, dass das Arbeitsmittel tatsächlich sicher ist. Das Prüfergebnis muss erst noch bewertet werden: passt es zu den bisherigen Prüfergebnissen, den technischen Voraussetzungen. Zudem bedeutet ein

Gefährdungsbeurteilung mit Mutterschutz

Bei einer Gefährdungsbeurteilung müssen auch mögliche Gefährdungen für werdende oder stillende Mütter berücksichtigt werden, egal ob eine Schwangere oder ob ob eine stillende Mutter in dem Betrieb arbeitet. Das legt das neue Mutterschutzgesetz fest.

Externe Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)

Für Betriebe ohne eigene VEFK kann es sinnvoll sein, eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft zu beauftragen. Dafür gibt es verschiedene Modelle.

VDE 0100 Teil 600 Reihenfolge der Prüfungen

Teil 600 der Normenreihe VDE 0100 gibt die Anforderungen an die Erstprüfung elektrischer Anlagen vor. Nach VDE 0100-600 muss das Besichtigen zuerst erfolgen. Bei den weiteren Prüfschritten ist folgende Reihenfolge zu empfehlen, um eine vollständige und für den Prüfer sichere Prüfung zu gewährleisten.

VDE 0100-600:2017-06 Erstprüfung elektrischer Anlagen

Geändert hat sich eine Vielzahl von Einzelvorgaben für die Erstprüfung elektrischer Anlagen nach VDE 0100 Teil 600. Dieser Artikel enthält eine Auswahl der Neuerungen.

VDE 0105-100/A1 Betrieb von elektrischen Anlagen

Die Vorgaben für wiederkehrende Prüfungen an elektrischen Anlagen haben sich geändert. Neu ist u. a., dass die Isolationswiderstandmessung unter bestimmten Umständen entfallen kann.

Wiederholungsprüfung an Stromerzeugern für Feuerwehren

Eigenständige Prüfnorm für die Wiederholungsprüfung von Stromerzeugern gibt es nicht. Daher muss anhand der grundsätzlichen Prüfnormen ein sinnvoller Prüfablauf zusammengestellt werden, um die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen.

Arbeitsstättenverordnung 2016

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) wurde überarbeitet. Neu sind insbesondere konkrete Vorgaben bei der Unterweisung und der Instandhaltung, sowie die Berücksichtigung psychischer Belastungen bei der Gefährdungsbeurteilung.