Es gibt keine Regel, ab welcher Betriebsgröße eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft notwendig ist.

externe VEFK

Betriebsorganisation

Die externe Verantwortliche Elektrofachkraft

Eine VEFK muss nicht festangestellt sein

Jedes Unternehmen mit einem elektrotechnischen Betrieb oder Betriebsteil braucht eine Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)[1]. Aber nicht jedes Unternehmen kann oder will sich eine festangestellte VEFK leisten. Eine Lösung kann eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) sein.

Muss eine Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) festangestellt sein?

Der Unternehmer trägt in seinem Betrieb die Verantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz[2]. Er kann diese Verantwortung an zuverlässige und fachkundige Personen[3] übertragen[4].

Für den Bereich der Elektrotechnik kann der Arbeitgeber die fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils an eine Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) übertragen. Die Rahmenbedingungen für diese Beauftragung  definiert die DIN VDE 1000-10 in Abschnitt 5.3. In der DIN VDE 1000-10 wird auch festgelegt, wer qualifiziert ist, die fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils zu übernehmen.

Weder das Arbeitsschutzgesetz, noch die VDE 1000-10 treffen eine Aussage darüber, ob die mit der Verantwortung betraute Person in einem Angestelltenverhältnis stehen muss. Nach der DIN VDE 1000-10 ist sie in fachlicher Hinsicht sogar weisungsfrei[5].

Dagegen machen beide Regelwerke Vorgaben zur Eignung der VEFK. Sie muss nach dem Arbeitsschutzgesetz zuverlässig und fachkundig und nach VDE 1000-10 in der Lage sein, die Verantwortung zu übernehmen und die ihr übertragenen Aufgaben zu erfüllen.

Entscheidendes Kriterium ist also, ob die Person, die VEFK wird, dafür auch geeignet ist. Ob sie in einem Angestelltenverhältnis steht oder nicht, spielt keine Rolle.

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Wann ist eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) notwendig?

Eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft, wie überhaupt eine VEFK, ist dann notwendig, wenn

Ein elektrotechnischer Betriebsteil ist für Unternehmen, die sich aus wirtschaftlichen Gründen entscheiden, keine eigene Verantwortliche Elektrofachkraft einzustellen, meist ein eher untergeordnetes Teil der Produktion oder der Dienstleistung, zum Beispiel ein Schaltschrank ohne vollständigen Berührungsschutz.

Eignung einer externen Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)

Bei der Auswahl einer externen Verantwortlichen Elektrofachkraft gelten die gleichen Kriterien wie für festangestellte VEFK.

Auswahlverantwortung des Arbeitgebers

Eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft ist ein Dienstleister. Eine Vergabe sollte wie bei jeder Fremdvergabe mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgen. Das heißt etwa, man muss einen geeigneten Dienstleister finden. Zu der Eignung gehört die Qualifikation. In dieser Hinsicht muss eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft folgende Kriterien erfüllen:

Formaler Bildungsabschluss der externen Verantwortlichen Elektrofachkraft

Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteiles ist eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Techniker, Meister (Industrie und Handwerk), Diplom-Ingenieur, Bachelor oder Master aus dem Berufsfeld Elektrotechnik notwendig. Auch ein anderer Bildungsabschluss ist möglich, erfordert aber einen größeren Aufwand seitens des Unternehmers (siehe auch Oft gestellte Fragen zur Verantwortlichen Elektrofachkraft).

Berufserfahrung

Eine Verantwortliche Elektrofachkraft ist eine besonders qualifizierte Elektrofachkraft. Als solche braucht sie praktische Erfahrung und Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen, also etwa der Normen für den Bereich, in dem sie eingesetzt wird.

Spezielle Qualifikation je nach Aufgabenbereich

Die Aufgabenbereiche einer VEFK sind vielfältig. Die Qualifikation einer Verantwortlichen Elektrofachkraft – auch einer externen Verantwortlichen Elektrofachkraft – muss sich nach dem Aufgabenbereich richten.

Fortbildung und Fortbildungsnachweise

Um die Kenntnisse der Normen und der weiteren Regelwerke aktuell zu halten und um den Stand der Technik zu kennen, muss sich eine VEFK kontinuierlich fortbilden. Ein Nachweis dieser Fortbildungen sollte Bestandteil der Beauftragung sein. Wenn die Beauftragung der externen Verantwortlichen Elektrofachkraft über einen längeren Zeitraum reicht, sollte der Unternehmer Fortbildungsnachweise einfordern. Hintergrund ist, dass die Qualifikation einer Verantwortlichen Elektrofachkraft auch wieder erlöschen kann. Insofern muss sich der Unternehmer als Auftraggeber vergewissern, dass diese Qualifikation fortbesteht und er mit der erforderlichen Sorgfalt einen Fremddienstleister beauftragt hat.

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Verschiedene Modelle für die externe Übernahme der elektrotechnischen Verantwortung

Je nach Unternehmensgröße, Umfang der elektrotechnischen Arbeiten und Qualifizierungsniveau der Belegschaft bieten sich verschiedene Modelle an, wie die elektrotechnische Verantwortung von einem externen Dienstleister übernommen werden kann.

Für Kleinbetriebe

Für Kleinbetriebe ohne nennenswerten Teil an elektrotechnischen Arbeiten bzw. für Unternehmen, die keinen geeigneten Mitarbeiter finden, der die elektrotechnische Verantwortung übernehmen kann, eignet sich folgendes Modell: Die externe VEFK schließt mit dem Anlagenbetreiber bzw. Unternehmer einen Vertrag, der folgendes regelt:

  • die externe Verantwortliche Elektrofachkraft ist fachlich verantwortlich für den elektrotechnischen Betrieb oder Betriebsteil,
  • sie ist der fachliche Vorgesetzter der Mitarbeiter, die bestimmte, vorher definierte Aufgaben im Bereich der Elektrotechnik übernehmen. Diese Mitarbeiter müssen, wenn sie es noch nicht sind, zu Elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EUP) ausgebildet werden.
  • parallel dazu stellt das Unternehmen eine verantwortliche Person, die die disziplinarische Verantwortung übernimmt.

Für größere Unternehmen

In größeren Unternehmen mit komplexeren Produktionsanlagen ist oft eigenes elektrotechnisch geschulten Personal vorhanden. Wenn keiner dieser Mitarbeiter als Verantwortliche Elektrofachkraft beauftragt werden kann oder soll und somit eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) benötigt wird, ist ein mögliches Modell, dass der Unternehmer einen ausreichend qualifizierten Mitarbeiter benennt, der die fachliche Umsetzung der Vorgaben der externen Verantwortlichen Elektrofachkraft übernimmt. Dieser Mitarbeiter kann gegebenenfalls auch zur VEFK weitergebildet werden.

VEFK-Übernahme bei gleichzeitiger Weiterbildung des Personals

Die Beauftragung einer externen Verantwortlichen Elektrofachkraft ist mit Kosten verbunden. Aber einer gewissen Betriebsgröße kann es aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen sinnvoll sein, eigene Mitarbeiter zur VEFK weiterzubilden. MEBEDO bietet entsprechende Modelle, bei denen zum einen MEBEDO die elektrotechnische Verantwortung übernimmt, zugleich aber Mitarbeiter so geschult werden, dass sie nach und nach diese Funktion übernehmen können.

Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich die Beauftragung einer externen Verantwortlichen Elektrofachkraft?

Es gibt keine einfache Regel, die besagt ab welcher Betriebsgröße und bei welchem Umfang und welcher Art der elektrotechnischen Tätigkeiten die Beauftragung einer externen VEFK Sinn macht. Entscheiden lässt sich das nur im Einzelfall.

Literatur und Anmerkungen

[1] DIN VDE 1000-10:2009-01, mehr zur Verantwortlichen Elektrofachkraft unter FAQ zur Verantwortlichen Elektrofachkraft. Eine ausführliche Darstellung zu den rechtlichen Voraussetzungen der elektrotechnischen Verantwortung, zur Funktion und Rolle einer Verantwortlichen Elektrofachkraft innerhalb eines Unternehmens siehe: Ensmann, Ralf (Hrsg.) Euler, Stefan; Eber, Claus: Anlagenbetreiber Elektrotechnik und verantwortliche Elektrofachkraft, Grundzüge und praktische Aspekte beim Aufbau einer rechtssicheren Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik nach DIN VDE 0105-100 und DIN VDE 1000-10 – richtig organisieren, delegieren, kontrollieren und dokumentieren, erschienen im VDE Verlag

[2] Vgl. § 3 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): “Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.” Konkretisiert wird diese Forderung in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS).

[3] siehe § 13 Abs. 2 ArbSchG: “Der Arbeitgeber kann zuverlässige und fachkundige Personen schriftlich damit beauftragen, ihm obliegende Aufgaben”  in eigener Verantwortung wahrzunehmen. Was Aufgaben des Arbeitgebers nach dem Arbeitsschutzgesetz sind, siehe Anmerkung 2.

[4] Ein Teil der Verantwortung bleibt allerdings immer beim Unternehmer: Er muss für die richtige Auswahl derjenigen sorgen, denen er einen Teil seiner Verantwortung überträgt und er muss sie kontrollieren. Für den Unternehmer gibt es keine Freidelegation seiner Verantwortung.

[5] DIN VDE 1000-10:2009-01 Ziffer 6: „Die für die Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen verantwortliche Elektrofachkraft darf, soweit hierfür nicht besondere gesetzliche Vorschriften gelten, hinsichtlich deren Einhaltung keiner Weisung von Personen, die nicht entsprechend dieser Norm als verantwortliche Elektrofachkraft gelten, unterliegen.“

Autor

Stefan Euler, Geschäftsführer der MEBEDO Consulting GmbH und der MEBEDO Akademie GmbH

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