Welche Defekte am Schutzleiter werden meist nicht erkannt?

Defekte am Schutzleiter werden im Rahmen der Wiederholungsprüfung nach VDE 0701-0702 in der Regel daran erkannt, dass der angezeigte Messwert unüblich oder unwahrscheinlich ist. Lose Anschlussstellen in den Steckvorrichtungen und im Gerät bewirken unter Umständen keine oder nur eine sehr geringe Erhöhung des Widerstands und lassen sich bei der Messung nur schwer entdecken.

von Michael Lochthofen



Defekte am Schutzleiter werden im Rahmen der Wiederholungsprüfung nach VDE 0701-0702 in der Regel daran erkannt, dass der angezeigte Messwert unüblich oder unwahrscheinlich ist.

Während der Messung (und mit einem ständig fließenden Messstrom) werden durch das Bewegen der Anschlussleitung die dort und an den Einführungsstellen vorhandenen Mängel meist gefunden.

Lose Anschlussstellen in den Steckvorrichtungen und im Gerät bewirken unter Umständen hingegen keine oder nur eine sehr geringe Erhöhung des Widerstands und lassen sich bei der Messung nur schwer entdecken.

Diese Defekte werden meist gefunden, wenn

  • mit einer Messgleichspannung und unterschiedlichen Stromrichtungen zwei Messungen vorgenommen werden, oder
  • mit unterschiedlichen Stromstärken gemessen wird, oder
  • die Leitung in unmittelbarer Nähe ihrer Einführung bewegt wird.

Klar ist allerdings: Diese Methoden geben keine Gewissheit über den Zustand der inneren Anschlüsse in dem Prüfling. Diese erhält der Prüfer nur, wenn er das Gerät öffnet. Es ist einleuchtend, dass es Anhaltspunkte geben muss, damit ein Prüfer ein Gehäuse aufschraubt. Solche können sein:

  • Anzeichen eines Eingriffs,
  • einer Überlastung,
  • einer Schutzleiterunterbrechung oder
  • ähnliche Merkmale, die auf einen inneren Defekt bzw. Konstruktionsfehler des Prüflings hindeuten.

Eine ähnliche Unsicherheit ergibt sich auch bei Steck- oder Schleifkontakten. Ein positives Messergebnis heißt nicht, dass der Kontakt tatsächlich eine zuverlässige Verbindung bietet. In derartigen Fällen sollte umgesteckt oder der Kontakt bewegt werden. Anschließend sollte eine zweite Messung vorgenommen werden.



Über den Autor

Michael Lochthofen, VdS-anerkannter Sachkundiger, berät Unternehmen beim Aufbau einer rechtssicheren Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik.


WEITERE INTERESSANTE THEMEN

Aus DIN VDE 0701-0702 wird DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 - und damit der Dschungel der Regelwerke zunächst noch etwas unübersichtlicher.

Die Entwürfe der neuen DIN VDE 0701 und VDE 0702

Die Entwürfe der DKE für die neue DIN VDE 0701 und die DIN VDE 0702 sehen eine Trennung der 2008 zusammengelegten Normen vor. Der Anwendungsbereich der DIN VDE 0701 soll die Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen von elektrischen Geräten nach der Reparatur sein; Vorgaben für die Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte finden sich in der DIN VDE 0702. Die Trennung der Normen führt zu Änderungen der Anforderungen der jeweiligen Normen.
Die Technische Regel für Betriebssicherheit 1203 konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung

Neue TRBS 1203

Die Technische Regel zur Betriebssicherheit (TRBS) 1203 "Zur Prüfung befähigte Person" wurde überarbeitet. In der neuen Fassung wird detaillierter erklärt, welche Voraussetzungen eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen muss. An den wesentlichen Vorgaben der TRBS 1203 wurde nichts geändert.
Was ist der Unterschied zwischen einer Elektrofachkraft und einer zur Prüfung befähitgten Person? Ihre Anforderungen und ihre Aufgaben sind ähnlich

Ist eine Elektrofachkraft automatisch eine zur Prüfung befähigte Person?

Das Anforderungsprofil und die Aufgaben von Elektrofach­kräften und zur Prüfung befähigten Personen sind ähnlich. Das führt immer wieder zu der Vermutung, eine Elektrofachkraft sei zugleich auch immer eine zur Prüfung befähigte Person. Dem ist aber nicht so