Elektrofachkraft ist keine Berufsbezeichnung, sondern beschreibt den Status eines Mitarbeiters innerhalb der Betriebsorganisation. Folglich bestimmt der Arbeitgeber bzw. die von ihm beauftragte Verantwortliche Elektrofachkraft, wer Elektrofachkraft wird.

FAQ zur Elektrofachkraft

Wer bestimmt, wer eine Elektrofachkraft ist?

Ob jemand Elektrofachkraft wird, bestimmt im Regelfall der Arbeitgeber bzw. eine von ihm beauftragte Verant­wortliche Elektrofachkraft (VEFK).

Ist ein Geselle oder Meister automatisch eine Elektrofachkraft?

Die Annahme ist weit verbreitet, dass wer Geselle oder Meister ist, zugleich auch den Status einer Elektrofachkraft besitzt. Das ist falsch. Es gibt keinen Automatismus, der jemanden nach bestandener Gesellenprüfung oder Meisterprüfung eine Elektrofachkraft werden lässt. Ob ein Geselle oder ein Meister eine Elektrofachkraft ist,

  1. ist eine Frage der Voraussetzungen: Wie in der Definition (Link zu Definition oben) beschrieben, ist eine Elektrofachkraft jemand, der neben einer fachlichen Ausbildung noch über Kenntnisse und Berufserfahrungen (Link zu Erklärung) in einem bestimmten Fachbereich der Elektrotechnik sowie über Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen verfügt.
  2. bezeichnet eine Elektrofachkraft eine Funktion innerhalb einer Betriebsorganisation. Eine Elektrofachkraft wird meist von dem Arbeitgeber bzw. der Verantwortlichen Elektrofachkraft bestellt (Link).

Eine Elektrofachkraft ist keine Berufsbezeichnung

Eine Elektrofachkraft ist keine Berufsbezeichnung (vgl. DGUV Vor­schrift 203-002 (vormals BGI 548)). Die Kenntnisse und Fähigkeiten für einen bestimmen Bereich der Elektrotechnik, die eine Elektrofachkraft haben sollte, gehen weit über das hinaus, was zum Beispiel ein Energieelektroniker in der Ausbildung lernt. Auch deswegen ist niemand mit einem Gesellenbrief in der Tasche automatisch eine Elektrofachkraft, auch wenn dies sehr oft von den unterschied­lichsten Institutionen so dargestellt wird.

Daher existiert auch kein Ge­sellenbrief, in welchem bestätigt wird, dass eine Ausbildung zur Elektrofachkraft abgeschlossen worden ist. Aufgeführt ist dort immer der Begriff eines Ausbildungsberufs z. B.

  • Energieelektro­niker/in für Betriebstechnik,
  • Energieelektroniker/in Geräte und Systeme,
  • Energieelektroniker/in für Automatisierungstechnik,
  • Energieelektroniker/in für Informations- und Telekommunikati­onstechnik.

Diese kurze Aufzählung lässt deutlich die Vielzahl an Berufen erkennen, die in den Bereich der Elektrotechnik fallen.

Ob die erforderlichen Kenntnisse für die Aufgaben, die im jeweiligen Unternehmen an eine Elektrofachkraft gestellt werden, vorhanden sind, kann somit nicht pauschal beantwortet werden.


Tipp: Einarbeitungsphase

Ein Mitarbeiter muss in der Regel zunächst Praxiserfahrung und Kenntnisse des Regelwerks auf dem übertragenen Aufgabengebiet sammeln, um als Elektrofachkraft gelten zu können. Das Gleiche gilt für neue Mitarbeiter: Erst nach erfolgreicher Einarbeitung können sie als Elektrofachkräfte angesehen werden.

Einarbeitungsphasen zwischen 12 und 36 Monaten

Die Dauer einer Einarbeitungsphase hängt wesentlich von der Komplexität des Aufgabengebiets sowie von den Fähigkeiten und der Motivation des einzuarbeitenden Mitarbeiters ab. Von Unternehmen werden Zeiträume genannt, die zwischen 12 und 36 Monaten variieren.

Abgestufte Freigabe

In Einzelfällen können sehr gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter (im Sinne einer abgestuften Freigabe) für bestimmte Tätigkeiten, für die die praktische Einarbeitung bereits abgeschlossen ist, auch schon früher als Elektrofachkraft eingesetzt werden.

Einarbeitungsphase dokumentieren

Eine gute betriebliche Praxis ist auch, neue Mitarbeiter im elektrotechnischen Betriebsteil nach dem Abschluss der dokumentierten Einarbeitungsphase schriftlich zur Elektrofachkraft für ihr konkretes Arbeitsgebiet zu bestellen. Die einmal erworbene Elektrofachkraft-Qualifikation kann durch mangelnde Fortbildung oder durch die Ausübung fachfremder Tätigkeiten über einen bestimmten Zeitraum auch wieder verloren gehen.


Ist man eine Elektrofachkraft für immer?

Eine einmal erworbene Qualifikation zur Elektrofachkraft kann durch mangelnde Fortbildung oder durch die Ausübung fachfremder Tätigkeiten über einen bestimmten Zeitraum auch wieder verloren gehen. Um sicher arbeiten zu können, müssen Elektrofachkräfte wissen, was sie tun. Gemäß Sprachweise der Normen ist das die Fähig­keit, übertragene Arbeiten zu beurteilen und mögliche Gefahren zu erkennen.

Tätigkeit in einem fachfremden Bereich

Diese Fähigkeit kann dadurch beeinträchtigt sein, dass eine Elektrofachkraft längere Zeit nicht in ihrem Fachbereich tätig war und sich ihr Wissensstand nicht an dem orientiert, was sich am Stand der Technik und in den einschlägigen Bestimmungen (Normen, Gesetze, Verordnungen, berufsgenossenschaftliche Regelwerke) geändert hat.

Ohne Fortbildung, keine Elektrofachkraft

Die Möglichkeit, den Status einer Elektrofachkraft wieder zu verlieren wird auch in den Erläuterungen zu Punkt 5.2 im Anhang A der DIN VDE 1000-10 formuliert. Dort heißt es, wer eine län­gere Zeit fachfremde Tätigkeiten ausübt und sich nicht fortbildet, kann nicht mehr als Elektrofachkraft gelten (zur Fortbildung siehe zum Beispiel: Fachkundeerhalt zum Prüfen von elektrischen Anlagen nach VDE 0100-600, VDE 0105-100 und VDE 0105-100/A1).

Der Begriff der Elektrofachkraft wurde 1979 in die Unfallvorschriften eingeführt
Schon früh war den Unfallversicherern klar, dass besser nur geschultes Personal Wartungsarbeiten übernimmt. Den Begriff der Elektrofachkraft gibt es seit 1979.

Arbeitgeber bzw. VEFK müssen Befähigung berücksichtigen

Dieser Passus hat damit Auswirkungen auf den Unternehmer bzw. die von ihm beauftragte Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK). Sie müssen berücksichtigen, ob der Beschäftigte bzw. der Versicherte, befähigt ist, die für die Sicherheit und den Ge­sundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten (vgl. ArbSchG § 7 und DGUV Vorschrift 1 § 7).

Gibt es die universelle Elektrofachkraft?

Nein. Eine Elektrofachkraft ist immer eine Fachkraft für einen be­stimmten Fachbereich (vgl. auch die DGUV-Information 203-002 (vormals BGI 548)). Es ist schwer vorzustellen, dass jemand die Befähigung, das Vermögen und die Fertigkeit, über die eine Elektrofachkraft verfügen muss, für alle Bereiche der Elektrotechnik aufweisen kann. Die in den Normen und Unfallverhütungsvorschriften geforderte Erfahrung würde auf alle Fälle fehlen.

Was ist der Unterschied zwischen einer befähigten Person und einer Elektrofachkraft?

Die Anforderungen und Aufgaben von Elektrofach­kräften und zur Prüfung befähigten Personen sind ähnlich. Immer wieder wird daher angenommen, dass eine Elektrofachkraft zugleich auch eine zur Prüfung befähigte Person ist. Dem ist allerdings nicht so. Siehe dazu Beitrag „Ist eine Elektrofachkraft automatisch eine zur Prüfung befähigte Person?“